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Nachtdienst im Viva Luzern Eichhof. «Die Nacht hat ihren besonderen Reiz.»

Arbeiten, wenn andere Menschen schlafen – für Petra Egli ist das die natürlichste Sache der Welt. Auch wenn die Nacht ihren eigenen Rhythmus hat: Müde wird die erfahrene Pflegemitarbeiterin während ihres Nachtdienstes nie.

Es ist Mittwochabend, kurz nach 22 Uhr. Im Haus Rubin vom Viva Luzern Eichhof ist es ruhig geworden. Die meisten Bewohnenden haben sich auf ihr Zimmer zurückgezogen und machen sich langsam bettbereit. Ganz anders Petra Egli. Die 56-jährige Pflegemitarbeiterin ist hellwach und voller Energie. Für sie ist es gefühlt erst Morgen. Vor einer Stunde erst hat sie ihren Arbeitstag begonnen, hat von den Kolleginnen der Spätschicht den Rapport entgegengenommen und sich mit den wichtigsten Sachen vertraut gemacht, die tagsüber passiert sind.

Danach hat sich Petra Egli auf die erste Runde durch ihren Wohnbereich gemacht. Sie schaute kurz in jedes Zimmer, stellte sich vor und teilte den Bewohnenden mit, dass der Nachtdienst begonnen hat. «Ich frage die Leute, ob alles in Ordnung ist, ob sie noch einen Wunsch haben, etwa einen Orangenblütentee oder ein Gute-Nacht-Joghurt», sagt Petra Egli. «Das gibt unseren Bewohnerinnen und Bewohnern das gute Gefühl, dass jemand während der Nacht für sie da ist und sie keine Angst haben müssen.»

Traumjob für Nachteulen
Petra Egli arbeitet seit 20 Jahren als Pflegemitarbeiterin im Viva Luzern Eichhof, davon knapp die Hälfte der Zeit ausschliesslich im Nachtdienst. «Ich bin ein Nachtmensch, eine richtige Nachteule», erzählt Petra Egli. «Zu arbeiten, wenn andere schlafen, gefällt mir. Der nächtliche Rhythmus liegt mir, er ist tief in mir drin.» Als vor acht Jahren im Viva Luzern Eichhof ein reines Nachtdienst-Team ins Leben gerufen wurde, war für Petra Egli sofort klar: Da bin ich dabei! «Ich liebe es, mit hochaltrigen Menschen zu arbeiten, sie zu betreuen und zu begleiten. Wenn ich das in der Nacht machen kann, stimmen für mich nicht nur die Arbeitsinhalte, sondern auch die Rahmenbedingungen.»

Vielen Kolleginnen von ihr geht es gleich. Der harte Kern des Nachtdienst-Teams von vor acht Jahren ist auch heute noch dabei. Einige arbeiten schon seit 20, 30 oder 35 Jahren im Viva Luzern Eichhof, was keine Selbstverständlichkeit ist. «Wir sind eine verschworene und richtig coole Truppe», sagt Petra Egli. Ein wiederkehrendes nächtliches Ritual zeigt den guten Zusammenhalt im Nachtdienst-Team: «Immer kurz nach Mitternacht treffen wir uns alle auf einen Kaffee oder Tee. Wir tauschen uns kurz aus, fragen, wie es bei den anderen läuft – dieses Miteinander und Füreinander-da-Sein tut gut.»

Viel zu tun
Aber natürlich ist der Beruf der Pflegemitarbeiterin auch in der Nacht kein «Schoggijob», wie es Petra Egli ausdrückt. Auch in der Nacht gibt es viel zu tun. Die Zimmerglocken, die während des Interviews fast pausenlos klingeln, zeigen das deutlich. Normalerweise würde Petra Egli jetzt in die entsprechenden Zimmer gehen und schauen, was los ist. Vielleicht hat eine Bewohnerin Hunger, vielleicht braucht ein Bewohner Hilfe beim Gang auf die Toilette. Jetzt, während des Gesprächs, übernimmt eine Kollegin den Kontrollgang für sie. Später in der Nacht stehen Petra Egli noch zwei weitere grosse Runden durch die Zimmer ihrer Abteilung bevor. So unterstützt Petra Egli die Bewohnenden dabei, dass sie sich in den nächtlichen Stunden bestmöglich aufgehoben und wohlfühlen. Sie weckt behutsam Bewohnende, um Einlagen zu wechseln oder für die Körperpflege. Schlafende, die sich selbstständig nicht mehr gut bewegen können, unterstützt sie beim Umpositionieren.

Und selbstverständlich kann es auch mal drunter und drüber gehen. Auch in der Nacht lässt sich das nicht verhindern. Petra Egli als erfahrene Pflegefachfrau bringt aber so schnell nichts aus der Ruhe und ist damit der Fels in der Brandung.

Nächtliche Komplizenschaft
Und trotzdem, bei aller Hektik, die es auch in der Nacht ab und zu geben kann: Die Nacht ist anders, irgendwie friedlicher. «Ich mag die nächtliche Atmosphäre», sagt Petra Egli. «Es ist ruhiger, man ist mehr bei sich selbst.» Besonders ans Herz gewachsen sind ihr die nächtlichen Begegnungen mit den Bewohnenden. Denn nur weil der Nachtdienst begonnen hat, heisst das noch lange nicht, dass alle im Bett sein müssen. «Auch unter unseren Bewohnerinnen und Bewohnern gibt es Nachtmenschen», sagt Petra Egli. Einige trifft man auf den Gängen an, andere schauen zusammen Fernsehen oder unterhalten sich im Gemeinschaftszimmer.

Gute Zusammenarbeit in der Betreuung und Pflege im Nachtdienst: Petra Egli und Daniela Wigger
Guter Zusammenhalt: Petra Egli und Daniela Wigger.
Nachtdienst im Viva Luzern Eichhof: «Die Nacht hat ihren besonderen Reiz.»
Nachtdienst im Viva Luzern Eichhof: «Die Nacht hat ihren besonderen Reiz.»

Was Petra Egli ganz besonders schätzt: In der Nacht hat man noch eher als am Tag mal fünf Extraminuten Zeit, um sich zu den älteren Menschen hinzusetzen und zu fragen, wie es ihnen geht. Und da die Nacht manchmal Gefühle hervorbringt, die am Tag verborgen bleiben, wird man als Pflegemitarbeiterin auch ab und zu zur Seelentrösterin. «In der Nacht muss man gut zuhören können», sagt Petra Egli.

Nachtaktiver Freigeist

In frühen Jahren arbeitete Petra Egli als Serviceangestellte in verschiedenen Luzerner Restaurants. Sie wurde jung Mutter von zwei Söhnen, nahm sich eine Auszeit, um sich voll und ganz um diese zu kümmern. Eine Zeit lang hat sie auch ihre an Demenz erkrankte Grossmutter zu Hause betreut. Petra Egli entdeckte, dass ihr die Pflege liegt, und beschloss mit 34 Jahren, beim Roten Kreuz die Ausbildung zur Pflegemitarbeiterin zu absolvieren. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss bewarb sie sich beim Viva Luzern Eichhof, wo sie seit 20 Jahren arbeitet. Seit der Gründung vor gut acht Jahren ist Petra Egli Mitglied des dortigen festen Nachtdienst-Teams.

Zeit für Privates
Um sieben Uhr morgens, nach neun Stunden Nachtdienst und einer Stunde Pause, geht der Arbeitstag von Petra Egli zu Ende. Doch ganz fertig hat sie noch nicht. Denn zu Hause will als Erstes auch ihr Kater gut versorgt werden. Dann, endlich, hat Petra Egli Zeit ganz für sich alleine. Sie braucht eine gewisse Zeit, um runterzukommen, liest vielleicht noch etwas, macht sich einen Tee. Dann geht sie ins Bett und schläft so lange, bis sie ganz ohne Wecker irgendwann am Nachmittag aufwacht. Da Petra Egli meistens vier Nächte hintereinander arbeitet und danach zwei bis drei Tage frei hat, kann sie an den Folgetagen all die alltäglichen Sachen nachholen, für die sie, wenn sie arbeitet, keine Zeit hat. Einkaufen, Besorgungen erledigen, Freunde treffen. Dass Hobbys, die man nicht so leicht auf freie Tage verschieben kann, nicht zu kurz kommen – dafür sorgt Petra Eglis Chefin mit einer sehr verständnisvollen und flexiblen Dienstplanung. Als aktive Fasnächtlerin und Mitglied der Lozärner Buchelimusig freut das Petra Egli ganz besonders.