
Vertrauen beginnt beim Austausch
Angehörige spielen eine zentrale Rolle im Alterszentrum – als Bezugspersonen, Unterstützende und manchmal auch als Kritiker. Wie funktioniert die Zusammenarbeit? Welche Herausforderungen gibt es? Betriebsleiterin Maria Thalmann und Pflegefachfrau Laura Bühler berichten aus ihrem Alltag im Dreilinden.
Wenn eine Person ins Alterszentrum einzieht, beginnt nicht nur für sie ein neuer Lebensabschnitt – auch für die Angehörigen ist es eine Zeit der Umstellung. Der Schritt ins Alterszentrum ist oft mit Emotionen, Fragen und Unsicherheiten verbunden. Genau hier setzt die Angehörigenarbeit bei Viva Luzern an. «Wir gehen beim Eintritt aktiv auf die Angehörigen zu, stellen uns vor und erklären, wer ihre Ansprechpersonen sind», sagt Laura Bühler, Fachfrau Pflege im Alterszentrum Viva Luzern Dreilinden. «Unser Ziel ist es, ihnen von Anfang an Sicherheit zu geben.» Aus gutem Grund: «Die Angehörigen sind unsere ersten und wichtigsten Kontaktpersonen.» Denn jeder Umzug ins Alterszentrum ist individuell, ebenso die Reaktionen darauf. Während einige erleichtert sind, weil ihr geliebter Mensch nun rund um die Uhr betreut wird, kämpfen andere mit Schuldgefühlen oder Unsicherheiten.
Eine Beziehung mit vielen Facetten
Die Zusammenarbeit mit Angehörigen ist vielseitig. Manche wollen eng in den Alltag der Bewohnenden eingebunden sein, andere ziehen sich bewusst zurück und vertrauen auf die professionelle Betreuung und Pflege. «Es gibt Angehörige, die regelmässig vorbeikommen und sich aktiv in den Alltag einbringen», sagt Maria Thalmann, Betriebsleiterin von Viva Luzern Dreilinden. «Andere hingegen möchten nur im Notfall informiert werden – beispielsweise bei einem Sturz oder einer akuten Erkrankung.»
Die Pflegefachpersonen sind dabei nicht nur für die Bewohnenden da, sondern auch für ihre Familien. Gerade in den ersten Tagen nach dem Einzug gibt es viele Fragen: Wie funktioniert die tägliche Pflege? Welche Abläufe gibt es? Welche individuellen Wünsche können berücksichtigt werden? «Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt», sagt Laura Bühler. «Es geht nicht nur um medizinische und pflegerische Themen, sondern auch um Biografiearbeit. Angehörige können uns viel darüber erzählen, was der Person wichtig ist – sei es die tägliche Tasse Tee um 15 Uhr oder das abendliche Hören einer bestimmten Radiosendung.»
Vertrauen aufbauen, Erwartungen klären
Eine der grössten Herausforderungen ist der Umgang mit unterschiedlichen Erwartungen. «Jede Familie hat ihre eigene Dynamik», sagt Maria Thalmann. «Wenn mehrere Kinder gemeinsam über die Betreuung ihrer Mutter oder ihres Vaters entscheiden, kann das zu Konflikten führen.» Deshalb legt Viva Luzern Wert darauf, dass eine Hauptansprechperson aus der Familie definiert wird. Zudem haben sich auch die grundsätzlichen Ansprüche der Angehörigen über die Jahre verändert. «Die Leute wollen heute deutlich mehr mitreden als früher», sagt Maria Thalmann. «Es wird auch mehr kritisch hinterfragt.» Umso wichtiger ist ein funktionierender Informationsfluss. «Ein regelmässiger und transparenter Austausch ist essenziell, um Vertrauen aufzubauen.» Neben persönlichen Gesprächen setzt der Betrieb auf schriftliche Informationen – etwa bei wichtigen personellen Veränderungen. Auch Informationsveranstaltungen werden im Dreilinden immer mal wieder durchgeführt; die Resonanz darauf variiert. «Wir sind derzeit dabei, neue Formate zu testen», sagt die Betriebsleiterin.
Ein weiterer Unterschied zu früher: Die Menschen kommen heute meist später ins Alterszentrum, oft nach einem Krankenhausaufenthalt oder in einem bereits geschwächten Zustand. «Wie die Bewohnenden haben auch die Angehörigen in solchen Situationen wenig Zeit, sich auf den Eintritt vorzubereiten», sagt Maria Thalmann. «Das führt oft zu Unsicherheiten oder zu einer intensiveren Nachfrage nach Informationen.»
Kommunikation ist der Schlüssel. Zur Angehörigenarbeit gehört auch, dass nicht immer jeder Wunsch erfüllt werden kann. «Manche wollen, dass ihre Eltern weiterhin ihre eigene Bettwäsche nutzen oder grosse Möbelstücke mitbringen. Doch aus hygienischen oder sicherheitstechnischen Gründen ist das nicht immer möglich», sagt Maria Thalmann. Hier braucht es klare, aber einfühlsame Kommunikation. Herausfordernd kann auch der Umgang mit emotionalen Reaktionen oder sogar Aggressionen seitens Angehöriger sein. «Glücklicherweise eskaliert es sehr selten», sagt Maria Thalmann. «Aber wenn es passiert, dann sind wir auch dafür gewappnet.» Ein bewährtes Instrument für schwierige Situationen ist der runde Tisch. Dort kommen Pflegefachleute, die Leitung Betreuung und Pflege, bei Bedarf oder auf Wunsch die Betriebsleitung, Ärztinnen und Ärzte sowie Angehörige zusammen, um gemeinsam Lösungen zu finden. «Fast immer lassen sich Herausforderungen in diesem Rahmen klären», sagt Maria Thalmann. «Wichtig ist, dass alle ihre Anliegen offen ansprechen können.»
Wer sich mit Maria Thalmann und Laura Bühler unterhält, der spürt: Die Angehörigenarbeit ist für die beiden eine Herzensangelegenheit – und eine Frage der richtigen Balance. «Verbindlichkeit ist entscheidend», betont die Betriebsleiterin. «Denn durch Verbindlichkeit entsteht Vertrauen – und Vertrauen ist das A und O.» Die enge Zusammenarbeit zwischen Pflegepersonal und Angehörigen sorgt dafür, dass die Bewohnenden so gut wie möglich unterstützt werden. Und genau darum geht es letztlich, wie Laura Bühler abschliessend betont: «Wir alle wollen nur das Beste für unsere Bewohnerinnen und Bewohner.»