
Pflege im Wandel der Zeit
Drei Pflegefachpersonen blicken im Viva Luzern Staffelnhof auf früher und heute. Zwischen Digitalisierung und Dokumentation bleibt, was Pflege ausmacht: Menschlichkeit, Nähe und eine tiefe Verbundenheit zum Haus.
Im Viva Luzern Staffelnhof begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart der Pflege. Wenn Kari Fuster und Margrith Schmid-Kohler durch die Gänge gehen, tun sie das mit einem reichen Erfahrungsschatz und sind heute Bewohnende im Viva Luzern Staffelnhof. Im Gespräch mit der heutigen Pflegefachperson Agnesa Shkodra entsteht ein lebendiges Bild davon, wie sich der Pflegealltag verändert hat – und was gleich geblieben ist.


Von Generalisten zu Fachleuten
Früher, erinnert sich Kari Fuster, seien die Wege im Staffelnhof kürzer, die Strukturen einfacher gewesen. «Wir waren eher Generalisten», sagt er. Heute sei mehr spezialisiertes Fachwissen gefragt – und auch mehr Personal, das dafür notwendig sei. Margrith Schmid-Kohler erinnert sich daran, dass das Material rationiert war. Man behielt, was noch sauber war, und ging sparsam mit Ressourcen um.
Agnesa Shkodra steht für die heutige Generation. Ihr Weg begann mit einem Praktikum im Viva Luzern Staffelnhof, später folgten die Ausbildungen zur Fachperson Gesundheit und die Höhere Fachschule. Für sie ist die Dokumentation zentral. Wo früher vieles mündlich besprochen oder knapp notiert wurde, ist heute das Tablet für die Rapporte zentral. Sie erklärt, dass Krankenkassen, Einstufungen, Verlaufsbeobachtungen und die Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten wichtig sei.
Neue Techniken in der Pflege
Der Patientenheber – eine Art Kran – kam früher oft zum Einsatz. Heute ersetzen ihn Kinästhetik und rückenschonende Techniken vielerorts. Dabei liegt das Augenmerk auf den natürlichen Bewegungen des Menschen, was den körperlichen Effort für das Pflegepersonal und für die Bewohnenden erleichtert.
Was wichtig bleibt
Obwohl sich die Pflege mit den Jahren verändert hat, bleiben die Grundbedürfnisse gleich. «Jeder Mensch braucht Essen und Trinken, Aufmerksamkeit und Liebe», sagt Agnesa Shkodra. Dem stimmen die beiden Ehemaligen zu. Für Margrith Schmid-Kohler ist entscheidend, dass man ein gutes Gespür hat und den Menschen zuhört. Kari Fuster bringt es auf den Punkt: «Der Mensch bleibt der Mensch.»
Zeit für Soziales
Zeit ist ein zentrales Thema. Zeit für Gespräche, für Aktivitäten, für Gemeinschaft. Kari Fuster erinnert sich an die Staffelnfeste oder an die interne Theatergruppe. Margrith Schmid-Kohler erzählt vom Frauenchor, der auch Konzerte in anderen Zentren gab. Der Staffelnhof war nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch sozialer Raum. Dies zeigt sich besonders bei Margrith Schmid-Kohlers Engagement: Während ihrer aktiven Zeit initiierte sie den Aufbau des Freiwilligenkorps. Als Samariterlehrerin kontaktierte sie Vereine und motivierte Menschen, sich einzubringen. Ihr Antrieb war pragmatisch: weniger überadministrierte Projekte, mehr konkrete Hilfe für die Menschen. Auch nach der Pension engagierten sich die beiden Ehemaligen im Fahr- und Mahlzeitendienst freiwillig.
Auch für Agnesa Shkodra ist der Viva Luzern Staffelnhof «ein zweites Zuhause» und eine Chance zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Hier kenne man die Menschen, ihre Vorlieben, ihre Biografien. «So kann ich ihnen viel mehr Freude machen», sagt sie.
Freundschaft fürs Leben
Berührend ist, wie sich die Beziehungen über die Jahre halten. Kari Fuster und Margrith Schmid-Kohler freuen sich immer, wenn sie sich sehen. Ihre Freundschaft entstand vor vielen Jahren. Margrith Schmid-Kohler kümmerte sich um einen hochaltrigen Mann, den schlimme Bauchschmerzen plagten. Alles habe sie ausprobiert, aber nichts habe gewirkt. Mitten in der Nacht habe sie Kari Fuster angerufen. Ihm sei es gelungen, den Katheter zu entfernen und den Mann von seinen Schmerzen zu befreien.
Episoden von damals
Erinnerungen verbinden die beiden: Ein Bewohner, der die Eisblumen an den Fensterscheiben im Staffelnhof vermisste, ein Anruf der Polizei, die nachts einen Bewohner mit dem Bernhardiner des Staffelnhofs auf der Strasse aufgriff und Zigarren rauchende Bewohner. Solche Anekdoten lassen schmunzeln und machen deutlich, wie stark Institutionen sich verändert haben. Und doch: Der Viva Luzern Staffelnhof ist mehr als eine Institution. Er ist Lebensort, ein Zuhause im Alter. Für die Zukunft wünschen sich die drei Zeit, Geduld und Freude am Umgang mit Menschen. Auch wenn sich die Pflege technisch, organisatorisch und fachlich stark verändert hat, ihr Kern ist geblieben: Es geht um Nähe, Respekt und die Begleitung von Menschen in einer verletzlichen Lebensphase. Oder wie es im Gespräch zwischen den Generationen immer wieder anklingt: Gute Pflege beginnt beim echten Interesse am Menschen – damals wie heute.
Einladung zu 50 Jahre Viva Luzern Staffelnhof – Geburtstagsfest vom 13. September 2026
Wir feiern – gemeinsam mit Bewohnenden, Angehörigen, Mietenden, Mitarbeitenden, Quartieranwohnenden und allen Freundinnen und Freunden vom Viva Luzern Staffelnhof. Wir freuen uns auf Sie.