Zum Inhalt springen

Die Zuversicht zeigt sich auch im Dunkeln

Die Nacht ist dunkel und geheimnisvoll – und doch voller Stille und Licht. Ein Gespräch mit Seelsorger Andreas Stalder über ihre vielen Facetten.

Andreas Stalder, welche Gedanken beschäftigen die Bewohnenden in den nächtlichen Stunden?
Ich denke, existenzielle Fragen können aufkommen: Wie geht es weiter nach dem Tod? Was ist, wenn ich nicht mehr aufwache? Gerade hier im Alterszentrum erlebe ich, dass Endlichkeit, Sterben und Tod absolut keine Tabuthemen sind. Die Leute sprechen sehr gerne darüber. Darüber hinaus können in einer schlaflosen Nacht Gefühle der Einsamkeit verstärkt werden. Ungelöste Konflikte, Schuldgefühle oder das Gefühl des Versagens können quälend sein. Dann suchen einige Trost in einem Zeichen Gottes oder in Worten, die guttun.

Die Nacht war schon immer ein starkes Symbol in Religion und Spiritualität. Was bedeutet sie für dich persönlich?
Neben dem erholsamen Schlaf bedeutet für mich die Nacht etwas Verborgenes, Geheimnisvolles. Sie hat dieses Mystische, das man nicht ganz durchschauen kann. Und gerade das macht sie so faszinierend. Die Nacht ist oft auch mit Unsicherheit oder sogar Angst verbunden. Wenn es dunkel wird, sieht man weniger, verliert etwas die Kontrolle. Das ruft nach Halt – nach etwas, woran man sich festhalten kann. Viele finden diesen Halt im Glauben, der Geborgenheit schenkt. Wenn die Nächte länger sind, haben Menschen das Bedürfnis nach Licht als Gegenbild zur Dunkelheit und zünden deshalb Kerzen an.

Gleichzeitig hat die Nacht ja auch etwas Erholsames.
Genau. In der Nacht regenerieren wir uns, laden unsere Batterien wieder auf. Nachts kann man sich selbst begegnen, die eigenen Ressourcen entdecken, die am Tag oft durch Licht und Lärm überdeckt sind. Das Wissen, dass die Sonne wieder aufgeht, gibt Zuversicht. Wie nach schwierigen Phasen im Leben: Auch sie gehen vorbei und das Licht kehrt zurück. Die Nacht bedeutet auch Begegnung und Gemeinschaft, ist sie doch auch die Zeit des Feierns – vom Familienfest über die Osternacht bis zu den bevorstehenden Weihnachtsgottesdiensten. Vielleicht liegt gerade darin ihre Schönheit: Sie vereint Stille und Fest, Angst und Hoffnung, Dunkel und Licht.


Angebot | Apo | Care