Warum machst du das? – Birgit Hermes Blunschis bewusster Karrierewechsel
Mit 55 Jahren entschied sich Birgit Hermes Blunschi bewusst dafür, ihre Managementlaufbahn hinter sich zu lassen und nach 25 Jahren zurück in die Pflege zu gehen. Für viele überraschend, für sie selbst genau richtig. Ihre Geschichte zeigt exemplarisch, wie Viva Luzern Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen neue berufliche Perspektiven eröffnet.
«Warum machst du das?» Diesen Satz hörte Birgit Hermes Blunschi immer wieder, als sie sich entschied, ihre Führungskarriere hinter sich zu lassen. Ihr Weg führte sie von der Pflege zur Versicherung, weiter in eine Geschäftsleitungsfunktion und zum Aufbau eines Hospizes – und schliesslich über die die Beratungsstellenleitung Wohnen im Alter wieder zurück zu ihren beruflichen Wurzeln. Heute arbeitet sie bei Viva Luzern Rosenberg ohne Führungsfunktion in der Pflege. Für manche mag das überraschend wirken. Für Birgit Hermes Blunschi fühlt es sich in ihrer aktuellen Lebensphase genau richtig an.
Mutig neue Wege gehen
Mit 21 Jahren kam Birgit Hermes Blunschi nach ihrer Pflegeausbildung von Deutschland in die Schweiz und arbeitete als diplomierte Krankenschwester in der Onkologie des Luzerner Kantonsspitals. «Ich bin schon immer mutig durchs Leben gegangen», sagt sie rückblickend. Nach einigen Jahren in der Pflege entdeckte sie während eines Nachtdienstes eine Stellenanzeige der CSS Versicherung. Weil sie zusätzlich die Handelsschule absolviert hatte, wagte sie den Schritt ins Büro. Die geregelten Arbeitszeiten reizten sie, das lange Sitzen dagegen deutlich weniger. «Ich hatte immer Hummeln im Hintern und konnte kaum still sitzen», erzählt sie lachend.
Zwischen Karriere und Familie
Es folgten spannende und lehrreiche Jahre. Bei der CSS war sie am Aufbau des Care Managements beteiligt. Nach einer Familienpause wechselte Birgit Hermes Blunschi als Geschäftsstellenleiterin zu Palliativ Zug und entwickelte nachhaltige Angebote im Bereich Palliative Care mit. Daraus entstand schliesslich das Hospiz Zentralschweiz – ein Projekt, das sie fast acht Jahre lang mitprägte. «Ich bin eine Brückenbauerin», sagt sie über sich selbst. Menschen zu vernetzen, Neues aufzubauen und Projekte ins Rollen zu bringen, habe sich wie ein roter Faden durch ihre Laufbahn gezogen. Nebenbei absolvierte sie den Masterstudiengang «Management im Sozial- und Gesundheitswesen» an der Hochschule Luzern.
Dass sie sich weiterbilden und beruflich so stark engagieren konnte, verdankt sie auch ihrer Familie. «Das ist ein grosses Privileg, wenn die Unterstützung vorhanden ist», erklärt Birgit Hermes Blunschi. Während der Corona-Pandemie übernahm ihr Mann zuhause einen grossen Teil der Familienorganisation und ermöglichte es ihr, beruflich «Vollgas» zu geben. Dafür sei sie ihm bis heute dankbar.
Der Wunsch nach Veränderung
Nach vielen Jahren Aufbauarbeit wurde der Wunsch grösser, beruflich etwas kürzerzutreten und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. 2021 wechselte Birgit Hermes Blunschi deshalb zu Viva Luzern als Beratungsstellenleiterin Wohnen im Alter in einem Teilzeitpensum.
Sie hatte sich jedoch schon länger vorgenommen, ihre Führungstätigkeit mit etwa 55 Jahren abzugeben. Stattdessen rückte der Wunsch nach längeren Reisen in den Fokus. 2025 setzte sie diesen Plan mit 55 Jahren bewusst um. Nach einer dreimonatigen Balkanreise mit ihrem Mann kehrte sie zu Viva Luzern zurück – diesmal nicht ins Management, sondern als Pflegefachfrau HF und Mitglied des Pflegeteams bei Viva Luzern Rosenberg.

Gewinn an Lebensqualität, Freiheit und Sinnhaftigkeit
Das Umfeld reagierte teilweise erstaunt. Viele konnten nicht nachvollziehen, weshalb jemand freiwillig eine Führungsposition verlässt, um wieder in der Pflege zu arbeiten. Andere fragten sie, weshalb sie sich die körperliche Belastung und die unregelmässigen Arbeitszeiten nochmals antue. Für Birgit Hermes Blunschi war der Wechsel jedoch ein Gewinn an Lebensqualität, Freiheit und Sinnhaftigkeit. Besonders schätzt Birgit Hermes Blunschi, dass sich ihre Leidenschaft fürs Reisen heute besser mit ihrem Berufsalltag vereinbaren lässt und sie dabei von Viva Luzern unterstützt wird. Auch körperlich spüre sie heute Vorteile. «Ich hatte am Schreibtisch viel mehr Beschwerden», erzählt sie. «Jetzt bewege ich mich mehr und bin weniger verspannt.»
«Mit offenen Armen und offenen Herzen»
Der Wiedereinstieg in die Pflege verlangte Vorbereitung. Birgit Hermes Blunschi organisierte entsprechende Kurse, reflektierte ihre Kompetenzen und setzte sich bewusst mit Themen auseinander, bei denen sie Unterstützung brauchte. Gerade diese Offenheit, ihr Pragmatismus, ihr Humor und ihre langjährige Erfahrung machen sie heute zu einer wertvollen Mitarbeiterin im Team. Bei Viva Luzern wurde sie herzlich empfangen. «Mit offenen Armen und offenen Herzen», wie sie selbst sagt. Diese Wertschätzung habe sie vom ersten Tag an gespürt.
Wie Birgit Hermes Bluschis Vorgesetzte Rina Krasniqi, Teamleiterin Pflege Viva Luzern Rosenberg, den Wiedereinstieg erlebt
Ich habe den Wiedereinstieg sehr positiv erlebt. Menschen, die sich bewusst für einen Wiedereinstieg entscheiden, bringen oft eine besondere Motivation mit. Man spürt, dass hinter diesem Entscheid eine klare Überzeugung steht und dieser Weg ganz bewusst gewählt wurde. Damit geht häufig auch eine sehr proaktive Haltung einher, nämlich die Bereitschaft, Neues aufzunehmen, sich weiterzuentwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Genau das war auch bei Birgit von Anfang an spürbar.
Für mich war dies der erste Wiedereinstieg, den ich als Führungsperson begleiten durfte. Dabei wurde mir bewusst, wie wichtig die richtigen Rahmenbedingungen für ein gutes Gelingen sind. Stabilität, klare Arbeitsstrukturen, eine hohe Qualität in den Abläufen sowie ein starker Teamgeist schaffen die Basis dafür, dass ein Wiedereinstieg erfolgreich gelingt. Gleichzeitig lebt dies von gegenseitiger Wertschätzung. Birgit bringt nicht nur ihre fachliche Kompetenz ein, sondern auch ihre Lebens- und Berufserfahrung. Gerade diese unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven bereichern die Zusammenarbeit und machen ein Team nachhaltig stark.
«Heute erfülle ich sehr individuelle Bedürfnisse»
Die Arbeit mit den Bewohnenden und im Team bedeutet Birgit Hermes Blunschi viel. Besonders schön sei das direkte Feedback im Alltag. Ein Lächeln, ein gutes Gespräch oder eine Rückmeldung aus dem Team gebe ihr enorm viel zurück. «Früher habe ich grosse strukturelle Herausforderungen angepackt, heute erfülle ich sehr individuelle Bedürfnisse», sagt sie. «Und genau das macht mir Freude.»
Auch ihre Gelassenheit hilft ihr im Berufsalltag. Wer viele Jahre Fach- und Führungsverantwortung getragen habe, lasse sich weniger schnell aus der Ruhe bringen. Zudem spiele Humor für sie eine zentrale Rolle. «Wenn der Humor fehlt, wird es schwierig», sagt sie.
Die Rückkehr in die Pflege sei für sie etwa so, wie nach einer langen Reise zuhause anzukommen. Vieles sei auch nach 25 Jahren «weg vom Bett» noch sehr vertraut.
Birgit Hermes Blunschis Geschichte zeigt, dass Karriere nicht immer nur höher, schneller oder weiter bedeuten muss. Sie hat sich den Traum einer gesunden Work-Life-Balance erfüllt. Gerade im Gesundheitswesen und in Zeiten des Fachkräftemangels ist der Wiedereinstieg erfahrener Fachpersonen enorm wertvoll. Birgit Hermes Blunschi würde ihren Weg jedenfalls jederzeit wieder genauso wählen. «Es ist dein Leben», sagt sie. «Man darf auch mal gegen den Strom der Erwartungen schwimmen.»
So unterstützt Viva Luzern den Wiedereinstieg
Ein erfolgreicher Wiedereinstieg in die Pflege braucht Zeit, Offenheit und die passende Unterstützung. Viva Luzern begleitet Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger deshalb individuell und engmaschig. Auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger jeden Alters werden bei Viva Luzern gezielt unterstützt und begleitet.
Dazu gehören unter anderem gezielte Wissensauffrischungen, passende Weiterbildungskurse sowie eine sorgfältige Einführung im Arbeitsalltag. Während der ersten Monate werden Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger eng begleitet und regelmässig unterstützt. Auch die Zusammenarbeit mit der Leitung Berufsbildung spielt dabei eine wichtige Rolle.
Wichtig ist zudem eine offene Kommunikation im Team. Vorhandene Erfahrungen und Kompetenzen werden berücksichtigt und gleichzeitig gemeinsam angeschaut, in welchen Bereichen zusätzliche Unterstützung oder neues Wissen notwendig sind.
Unter bestimmten Voraussetzungen können Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger zudem von Fördergeldern profitieren, beispielsweise für Auffrischungskurse. Dabei arbeitet Viva Luzern unter anderem mit XUND zusammen. Bei Interesse oder weiterführenden Fragen dürfen sich Interessierte gerne bei Simone Zingg, Leiterin Ausbildung und Integration, E-Mail: simone.zingg@vivaluzern.ch, oder 041 612 70 74 melden.
