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Wohnlichkeit im Alter: Viva Luzern denkt Räume neu

Was macht vier Wände zu einem echten Zuhause? Bei Viva Luzern spielen die Raumgestaltung sowie die Idee der «heilenden Architektur» eine Schlüsselrolle. Arbeits- und Organisationspsychologin Bettina Atzgerstorfer erklärt, wie das Wohlbefinden aller Nutzergruppen gestärkt wird.

«Im Alter zuhause» – so lautet der Slogan von Viva Luzern. Was aber heisst das genau? Wann fühlt man sich als Bewohnerin oder Bewohner eines Alterszentrums oder als Mieterin oder Mieter in Alterswohnungen wohl und heimisch? Und wie steht es um die Mitarbeitenden, die Angehörigen und alle anderen Nutzergruppen? Antworten auf diese Fragen kennt Bettina Atzgerstorfer. Die Arbeits- und Organisationspsychologin ist Head of Strategic Projects & Innovation beim bekannten Zürcher Interior-Design-Unternehmen Zingg-Lamprecht. Seit über 15 Jahren begleitet die gelernte Schneiderin und Hutmacherin ihre Kunden – dazu gehört auch Viva Luzern – strategisch und in der konkreten Umsetzung bei der Gestaltung ihrer Räumlichkeiten. Bei der führenden Anbieterin für Wohn- und Pflegeangebote im Alter in der Zentralschweiz lautet ein wichtiges Stichwort «Healing Architecture» (auf deutsch: Heilende Architektur). Dahinter steckt die Idee, dass durch eine gut durchdachte Architektur und Gestaltung eines Gebäudes das Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten – oder im Fall von Viva Luzern: der Bewohnenden und Mietenden – gefördert und unterstützt werden kann. «Dies etwa, indem Faktoren wie Funktionalität, Hygiene, Arbeitsabläufe, Stimmung, Lautstärke und Licht schon bei der Planung berücksichtigt werden», erklärt Bettina Atzgerstorfer. Da die verschiedenen Standorte von Viva Luzern alle schon stehen, kann die «heilende Architektur» hier jedoch nicht von Grund auf umgesetzt werden; stattdessen müsse sie mit gezielten und fortlaufenden Anpassungen optimiert werden.

Bettina Atzgerstorfer, Arbeits- und Organisationspsychologin, Zingg-Lamprecht AG.

Je klarer die Orientierung, desto angenehmer der Arbeitsalltag
Von diesen kontinuierlichen Verbesserungen sollen nicht nur beispielsweise die Bewohnenden profitieren, sondern auch alle anderen Personengruppen, die in den Alterszentren ein und aus gehen. Dazu gehören etwa die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. «Eine gut gestaltete Umgebung und durchdachte Arbeitsabläufe können den Stress des Personals erheblich reduzieren», nennt Bettina Atzgerstorfer ein Beispiel. Dabei seien es oftmals Nuancen, die einen grossen Mehrwert bieten könnten. «Es lohnt sich beispielsweise, gut zu überlegen, auf welcher Seite des Zimmers das Bett platziert wird, um den Arbeitsprozess der Pflegefachpersonen so gut wie möglich zu unterstützen.» Ganz grundsätzlich gelte es, die Räume so zu organisieren, dass sie auch dem Personal unterstützend helfen. «Die Farbgebung und Orientierungsmerkmale spielen hier ebenfalls eine wichtige Rolle. Demenzabteilungen zum Beispiel brauchen eine besonders starke Signaletik, damit sich die Bewohnenden zurechtfinden.» Denn: «Je klarer die Orientierung und das damit verbundene Sicherheitsgefühl für die Bewohnenden, desto angenehmer der Arbeitsalltag für das Personal.»

Geschichten erzählen, Erinnerungen wecken
Für den Begriff «Wohnlichkeit» gibt es bei Zingg-Lamprecht nicht die eine Definition. «Das Thema ist ungemein vielschichtig», betont Bettina Atzgerstorfer. «Denn alle Nutzenden bringen wieder neue Blickwinkel ein.» Ein wichtiges Thema sei jedoch der Materialmix. «Der Umgang mit dem Raum und den Materialien ist bei der Gestaltung eines Alterszentrums entscheidend.» Bevor Veränderungen umgesetzt werden, gelte es zudem immer, zuerst zu prüfen, welche Qualität der bestehende Ort hat und für welche Nutzung er gedacht ist.

Wie steht es um den Aussenbezug, wie gut ist der Tageslichteinfall? Herrscht vor dem Haus eher ein städtischer Kontext, oder ist es ruhig und grün? Wenn Ersteres der Fall ist, könnten verstärkt Möbel aus Holz in die Gestaltung miteinbezogen und damit die Natur «in den Raum geholt» werden. Wenn hingegen durch die Fenster viele Bäume und Pflanzen zu sehen sind, darf der Innenraum etwas neutraler gestaltet werden. «Das Wechselspiel von drinnen und draussen hat einen grossen Einfluss auf das Wohl- und Wohngefühl», weiss Bettina Atzgerstorfer. «Zudem ist es wissenschaftlich belegt, dass Natur-Analogien das Wohlbefinden deutlich steigern.»

Treffpunkte schaffen, Rückzugsorte bieten
Bevor die Beraterin von Zingg-Lamprecht ihren Kunden einen Einrichtungs- und Gestaltungsvorschlag macht, geht sie durch den betreffenden Raum und versucht, diesen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu spüren. So gibt es in jedem Alterszentrum Bereiche, die öffentlich zugänglich sein sollen, und andere, die den Nutzenden als Inseln und Rückzugsort dienen. «Solche Bedürfnisse können bewusst gesteuert werden», erklärt Bettina Atzgerstorfer. Dies etwa, indem manche Bereiche gezielt offen und aktivierend gestaltet werden, während andere Privatsphäre ausstrahlen. Wichtig ist laut der Expertin auch, dass die Nutzenden stets die Möglichkeit haben, ihre Umgebung selber und flexibel zu verändern. Dass also zum Beispiel Stühle und kleinere Tische je nach Bedarf und Nutzung verschoben werden können. «Die Einrichtung sollte nicht zu statisch sein und sich stets weiterentwickeln dürfen.»

Wohnlichkeit als fester Bestandteil der Strategie. Laut Bettina Atzgerstorfer macht Viva Luzern in Sachen Wohnlichkeit schon vieles richtig. «Die Frage, wie man mit Gebäuden, Räumen und der Orientierung in einem Alterszentrum umgeht, ist in der Vergangenheit sehr stiefmütterlich behandelt worden. Heute ist das zum Glück häufig fester Bestandteil der Strategie.» Gleichwohl sieht die Expertin noch Potenzial – dies etwa bei der Lichtgestaltung in den Zimmern der Bewohnenden. So liessen sich mit dimmbaren Lichtfeldern an den Decken verschiedene Stimmungen erzeugen. «Während morgens zum Aufstehen kühleres Licht aktivierend wirken kann, wirkt eine warme Lichtumgebung in den Abendstunden beruhigend.» Wichtig sind und bleiben laut Bettina Atzgerstorfer auch Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung der Räumlichkeiten. So sollten die Bewohnenden unbedingt eigene Möbel, Bilder und Accessoires von zu Hause ins Alterszentrum mitbringen dürfen. «Persönliches und Vertrautes unterstützen das Wohlbefinden.»

Verkümmerte Pflanzen sind ein No-Go
Genauso wie die Wohnlichkeit mit gezielten Massnahmen gefördert werden kann, gibt es auch einige No-Gos, die kontraproduktiv wirken können: «Wer Pflanzen in den Eingangsbereich stellt, sollte diese auch pflegen», betont Bettina Atzgerstorfer. Funktioniert das nicht – etwa weil dafür die nötigen Ressourcen oder Verantwortlichkeiten fehlen –, könnten bei der Raumgestaltung Pflanzentapeten eine Alternative darstellen. Ein weiteres Tabu seien Visualisierungsflächen – also beispielsweise digitale Info-Bildschirme –, die nicht bespielt werden oder alte Nachrichten transportieren. «Dann lässt man es lieber sein.»

Abschliessend betont die Expertin von ZinggLamprecht noch einmal die Bedeutung einer guten Gestaltung respektive einer «heilenden Architektur» für das Wohlbefinden im Alterszentrum. «Neben diesen wichtigen Bausteinen ist aber auch das Zusammenspiel der verschiedenen involvierten Personen entscheidend, ob sich die Bewohnenden und alle anderen Nutzergruppen bei Viva Luzern zu Hause fühlen.»

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